Zur Verteidigung des “Ethnic Neighborhoods”

Ein charmantes Merkmal der nordamerikanischen Stadt ist das “Ethnic Neighborhood”. Seit Jahrzehnten haben sich diese Enklaven fremder Kulturen durch Masseneinwanderung entwickelt und heute behalten sie noch eine besondere Stelle. Das ist im Vergleich zu europäischen Städten, wo gut definierte ethnischen Stadtteilen seltener gefunden sind. In vielen Städten ist der Grund dafür eine Betonung auf Integration. Eine Besorgnis ist kann man sich in solchen Stadtteilen isolieren. Das ist gewisser wahr, aber die Behauptung ist auch problematisch, weil sie die massiven Vorteile von solchen Enklaven übersehen. Diese beinhalten soziale, ökonomische, und politische Aspekte und zwar lohnt es sich sie im europäischen Kontext zu betrachten.

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Chinatown Chicago.

Mehrmals habe ich gehört, dass das nordamerikanische “Ethnic Neighborhood” kein geeignetes Bespiel für Europa ist, weil die aktuelle Situation überaus anders ist. Kanada und die USA sind schon multikulturelle Länder mit Traditionen von Immigration. Dort gibt es schon etablierte Wege zur Integration, mittlerweile muss man in Europa in eher homogene Kulturen anpassen. Aber was fehlt von der breit akzeptierte Meinung über ethnischen Stadtteilen in Europa ist die Anerkennung, dass die USA und Kanada nicht immer heterogene Gesellschaften waren. Vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Länder Nordamerikas eher homogene–englischsprachig und christlich–mit der Ausnahme der Sklaven und der amerikanischen Indianern. Trotz der aktuellen Umstände in Europa heute ist Nordamerika vor 100 Jahren im Vergleich noch ein gutes Vorbild. Die Ähnlichkeiten sind grundsätzlich bemerkenswerter als die Unterschiede und können als Entwürfe verwendet werden.
Obwohl es überhaupt quatsch ist zu glauben, dass europäische Kultur von außen überschwemmt wird ist es unmöglich zu denken, dass das Ankommen von Tausenden aus Afrika, Asien, und vom Mittleren Osten keinen Einfluss hätte. Masseneinwanderung bezeichnet den Anfang einer wirkmächtigen Veränderung der Gesellschaft, die nicht unbekannt im Nordamerika des spät 19. Jahrhunderts wäre. Zum Glück bringen die langjährigen Beispiele aus Kanada und den USA für Europa in Erfahrung. Im Fall ethnischen Stadtteilen steht den Beweis auf der Seite lebhaften ethnischen Stadtteilen statt der sofortigen Verteilung von neuen Immigranten in einer Stadt; das ist was vielen als eine Lösung zum Integrationsproblem betrachten.

Statt einer Verhinderung des Integrationsprozess spielen ethnische Stadtteilen dazu wichtige Rollen. Zum Beispiel um Heimweh umzugehen: ob Essen, Religion, Sprache, oder Musik machen ethnische Stadtteilen es einfacher Aspekte einer Minderheitskultur zu finden. Für Neuankömmlinge ist das bedeutsam: nach Bedarf kann man etwas Erkennbares neu erleben. Das ist doch wichtig auf einer seelischen Weise. Eben wenn man sich gut integriert, brauchen Leute noch ab und zu was Gewöhntes.

Andersonville

Andersonville ist der ehemalige schwedisch-amerikanische Stadtteil. Dort findet man noch bis zu heute eine hohe Konzentration von schwedischer Kultur. (Source: sustainable-chicago.com).

Noch wichtiger ist die ökonomische Rolle des ethnischen Stadtteils. Dauerhafte Arbeitslosigkeit bedroht den Integrationsprozess und ohne ein festes Einkommen kann alle Problem wachsen. Man muss die Sprache können und korrekte Ausweisen oder Zeugnisse haben; besonders in Europa wirft die Bürokratie oft selbst Probleme auf und das ist noch eine Herausforderung für Leute, die neu angekommen sind. Aber in den ethnischen Stadtteilen ist es ermöglicht diese Schwierigkeiten zu vermindern. Man kann eventuell einen Job finden, wo die heimische Sprache gesprochen ist und dadurch kann schneller in der Ökonomie teilnehmen. Genauso hilfreich ist die Möglichkeit Hilfe von Anderen zu bekommen, die schon lange im Land gewesen sind. Die sind die Leute, die den Weg durch eine neue Gesellschaft zeigen können.

Dem erfolgreichen Einstieg von neuen ethnischen Gemeinschaften in eine Gesellschaft ist dieses soziale Kapital überaus wichtig. Soziale Netze entstanden besser, wenn eine Gemeinschaft dichter leben kann. Obwohl der Entwicklungsprozess von sozialen Netzen wegen Social Media schon verändert wurde, sind sie und andere zufällige Begegnung dafür noch wichtig sowie für die Gelegenheit um soziale Organisationen und Dienste zu gründen oder ethnisch orientierte Geschäfte zu öffnen. Soziales Kapital bietet städtischen Regierungen und Verwaltungen auch ein Hilfsmittel für Zusammenspiel mit ethnischen Gemeinden. Auch wenn ein ethnisches Stadtteil eine Quelle für manchen Erfolg ist, werden viele Problemen aufgrund eines Fehlens von Vertrauen und Kommunikation zwischen diesen zwei Gruppen bestanden. Das beinhaltet schlechte Schulen, negative Beziehungen mit der Polizei, Fehlen von politischer Repräsentation usw.

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Die Orozco Schule ist eine Chicago Public School in einem mexikanisch-amerikanischen Stadtteil. Vor ihr sind die amerikanische und die mexikanische Fahnen gehisst und das Gebäude ist mit mexikanisch inspirierter Kunst geschmückt. (Source: Alamy Photos)

Die Chinatown in Chicago beweist wie Zusammenarbeit zwischen einer Gemeinde und der Stadt einen zuträglichen ethnischen Stadtteil (d.h. Gemeinde) prägt. In Chinatown kann man Chinesisch im Alltag ohne Probleme sprechen egal ob man in der Stadtbibliothek ist oder auf der Straße steht. Schilder sind auf Chinesisch und zweisprachige Dienste sind angeboten. Chinesische Kultur und Religion hat dem Design und Architektur überall im Stadtteil inspiriert. Es gibt verschiedene Grunde, warum es so viel Erfolg in Chicagos Chinatown zu sehen gibt, aber Fakt ist wenn hier es kein erkennbares ethnischen Stadtteil wäre–ohne die soziale Organisationen und Dienste, ohne die chinesisch-amerikanisch besitzenden Geschäfte, ohne die dichte Besiedlung von Chinesen und Chinesisch-Amerikanern–dann gäbe es keine Bausteinen um Erfolg zu leisten.

In einem ethnischen Stadtteil kann viel geschehen, was das Integrationsprozess unterstützt: mehrere ethnischen Polizisten sollen in diesen Stadtteilen arbeiten, sodass Menschen gemütlicher mit ihnen sich fühlen. Schulen sollen Fremdsprachen anbieten, die Schüler zuhause hören, damit sie ihre Herkunft verstehen können und damit sie sprachlich und schriftlich die Sprachen fließend sprechen können. (Es gibt zum Beispiel in den USA in mexikanisch-amerikanische Stadtteil öfters “Spanish For Spanish Speakers” Klassen zusätzlich zu anderen Angeboten.) Und Stadtverwaltungen müssen mehrsprachig sein, sodass Menschen nicht sofort vom Anfang wegen ihres Sprachkenntnis verhindert werden.

Das Beispiel des nordamerikanischen ethnischen Stadtteils drückt sehr deutlich aus, dass das “Ethnic Neighborhood” kein Ghetto sein muss (wie sie fast immer in Europa bezeichnet sind). Noch wichtiger zeigen sie auch, dass mit Verständnis und Zusammenspiel spielen sie eine bedeutsame Rolle im Integrationsprozess. Dass Probleme entstehen wird nicht geleugnet, aber die Probleme sind nicht wegen des ethnischen Stadtteils selbst, sondern kommen sie wegen anderer politischen und sozialen strukturellen Problemen vor. Integration ist keine Einbahnstraße und Zusammenarbeit ist nötig von der Seite der Neuankömmlinge und der Einheimischen. Aber es ist eine Täuschung zu glauben, dass die Verteilung von einer Gemeinde in einer Stadt zum Integrationsprozess hilfreich ist.